Prof .Dr. Christoph Stueckelberger, Bern/Basel

Source:
Friends of the Earth: stop playing with hunger, June 2003
Biolandbau erbringt in diesen Projekten bei Gemischtkulturen (z.B.
Reis, Gemüse, Fisch, Obstbäume, Nutzholz) quantitativ und finanziell mindestens
gleiche Ernteerträge (od. Kalorien pro Flächeneinheit) als Monokulturen oder
Landbau mit ertragsreichen, bio- oder gentechnisch veränderten Sorten.
Nachhaltige Landwirtschaft besteht in diesen Projekten zumeist in
Gemischtkulturen: in den Nassreisfeldern werden auch Fische gezogen, auf den
Terrassenrändern der Reisfelder zusätzlich Gemüse gepflanzt, Fruchtbäume und
Nutzholz ergeben zusätzliche Nahrung und Einkommen. Die Produktivitätserfolge
des Biolandbaus mit Reduktion von zugekauften Kunstdüngemitteln und dem
vermehrten Einsatz von Kompost, Gründüngung etc. sind beachtlich.
Eine grossangelegte Untersuchung von 208 Entwicklungsprojekten im Bereich der
Nachhaltigen Landwirtschaft in Afrika, Asien und Lateinamerika wurde vom Centre
for Environment and Society der Universität Essex/GB im Auftrag des britischen
Department for International Development, Brot für die Welt Deutschland und Greenpeace
Deutschland durchgeführt (Jules Pretty/Rachel Hine: Reducing Food Poverty
with Sustainable Agriculture: A Summary of New Evidence, Feb 2001Zitate
beziehen sich darauf; deutsch: Ernährung sichern, Brandes & Apsel Verlag,
Frankfurt/M. 2001.)
Die Studie untersuchte Daten der 208 Programme von rund 9 Millionen Bauern
aus 52 Ländern. Die Studie kommt zu sehr ermutigenden Resultaten betr.
nachhaltige Landwirtschaft. Nachhaltige Landwirtschaft wird dabei definiert als
jene Landwirtschaft, die
- die Güter der Natur möglichst gut nutzt (d.h. die Produktivität optimiert)
bei möglichst geringer Beschädigung der Umwelt
- natürliche biologische Prozesse in die Nahrungsproduktion möglichst stark integriert
- nicht-erneuerbare, umwelt- oder gesundheitsschädigende Ressourcen von aussen
(Pestizide, Düngemittel) möglichst minimiert
- die angewendeten Technologien ressourcenschonend und regenerativ sowie lokal
adaptiert sind
- die Multifunktionalität der Landwirtschaft unterstützt und fördert (Erhaltung
Biodiversität, Grundwassererhaltung, Abbau Migration in die Städte und
Förderung des sozialen Zusammenhalts)
- das Wissen der Landwirte einbezieht und ihre Eigenständigkeit erhöht
- das soziale Kapital der Zusammenarbeit produktiv nutzt. (p.24)
Die Studie zeigt, dass die Umstellung auf nachhaltige Landwirtschaft eine substantielle
Erhöhung der Gesamtproduktivität pro Hektar bewirkte. Bei Nassreis (wetland
rice) z.B. von 5-30% (p. 99) und zusätzlich die Kalorien von Fisch, Gemüse
etc., bei Hirse eine Verdoppelung (p.100), bei Mais eine Erhöhung um 20-200%
etc. Daraus wird ersichtlich, dass nachhaltige Landwirtschaft – auch ohne
gentechnisch veränderte Organismen – wesentlich zur Produktivitätssteigerung in
der Landwirtschaft in Entwicklungsländern beitragen kann. Allerdings fügt die
Studie an, dass diese Steigerung allein möglicherweise nicht genügt, die
Zunahme z.B. des Reisbedarfs in den boomenden Städten zukünftig zu decken (p
99).
Biotechnologie wird nach dieser Untersuchung in ihrer Bedeutung für nachhaltige
Landwirtschaft gering eingestuft, aber wird auch nicht grundsätzlich ausgeschlossen.