Notabene, Mitarbeiterzeitschrift Ev.-ref. Landeskirche Kanton Zürich, Okt. 2004
Prof. Dr. Christoph Stückelberger
“’tschuldigung“, „pardon“: Leicht kommt es über die Lippen, wenn man im Gedränge jemanden ungewollt stösst. Schwer wie ein Stein aber hockt das Wort im Hals und kann nicht herausgewürgt werden, wenn man seinen Partner oder seine Partnerin, eine Arbeitskollegin oder einen Vorgesetzten um Verzeihung für ein Fehlverhalten bitten sollte. Und Jahre, Jahrzehnte, manchmal Jahrhunderte dauert es, bis eine Institution mit diesem einen Wort die Verant-wort-ung für Fehler oder Unterlassungen der Vorfahren übernimmt, wie jüngst die Zürcher Kirche gegenüber den Täufern und der SEK gegenüber Südafrika.
Zu Recht und zum Glück fällt dieses Wort schwer, denn dann zeigt sich die intensive Auseinandersetzung mit der Frage: Was war denn eigentlich falsch? Weshalb? Gab es Alternativen? Schuld von wem gegenüber wem? Damit wird nicht nur Vergangenheit bewältigt, sondern vielmehr Zukunft vorbereitet. Das gewichtende Erinnern macht den Weg frei für Sensibilität in der Gegenwart und Menschlichkeit in der Zukunft. Für die Opfer kann das Wort auch nach Jahrzehnten noch Balsam auf Wunden sein.
Versöhnung durch Bitte um Entschuldigung oder - theologisch gesprochen - um Vergebung von Schuld misslingt aber dann, wenn man in eine von drei Fallen fällt:
Wo diese drei Fallen vermieden werden, wird „’tschuldigung“ zum zukunftsweisenden Wort.