Impuls aus Sicht von Brot für alle (Christoph
Stückelberger)
· Die Rolle organisierter Religionsgemeinschaften für das Zusammenleben in einem Staat oder als Ersatz für den Staat?
· Konzeptionell im evang. Bereich der Schweiz: Die „Grundsätze für Entwicklungsprojekte“ der EHM-Werke (1999 verabschiedet, auf einer Grundlage von 1991) basieren auf der Einheit in der Verschiedenheit von Mission und Entwicklung. Unter dem gemeinsamen Auftrag für Gerechtigkeit, Frieden und Bewahrung der Schöpfung werden 4 Tätigkeitsbereiche unterschieden: Missionstätigkeit, Entwicklungszusammenarbeit, Nothilfe, Entwicklungspolitik.
1. Beim Thema Mission und Entwicklung geht es an dieser Tagung zugespitzt
um Religion und Entwicklung: um das Verhältnis zwischen staatlicher/ privater
Entwicklungszusammenarbeit und der religiösen Dimension von Entwicklung (Die
Anerkennung des Beitrages der Missionen für wirtschaftliche, soziale und
kulturelle Entwicklung ist vorausgesetzt und unbestritten).
2. Es geht dabei um die Frage, welchen Beitrag institutionalisierte Religionsgemeinschaften
zur Armutsbekämpfung leisten können (was ein Projekt der Weltbank untersuchte),
aber noch tiefer und direkter darum, welchen Beitrag die Religionen zur
Entwicklung leisten und leisten können.
3. Das 21. Jahrhundert wird ein religiöses Jahrhundert sein. Die Frage ist
nur, welche Formen und Inhalte von Religionen und Pseudoreligionen prägend sein
werden (Bush’s „With God on my side“, der unkritische Glaube an das Heil des
Marktes, ein fundamentalistischer Isolationismus oder die re-ligio als
Rückbindung des Menschen in die Verantwortung vor einem Gott der Liebe.
4. Die aufklärerische Trennung von Staat und Religion ist für viele Kulturen
kein erstrebenswertes und vertretbares Modell. Neue Wege sind nötig, in denen
Politik und Religion in einem produktiven Verhältnis „unvermischt und
ungetrennt“ aufeinander bezogen sind.
5.
Wertorientierung ist die Basis für nachhaltige
Entwicklung. Ethikförderung ist deshalb ein wichtiger Teil der EZA. Diese geht
aber weit über ethische Appelle, Richtlinien und good governance-Kriterien
hinaus. Religion ist ein wichtiger Ermöglichungsgrund für ethisches Verhalten.
6.
Staatliche und private Entwicklungszusammenarbeit hat
ein Interesse, im Dienste nachhaltiger Entwicklung folgendes zu fördern:
- Interreligiöse Zusammenarbeit statt Fundamentalismus
- Weltweite Ökumene statt neuem Denominationalismus
- Glokalisierung statt Lokalismus
- Wohlfahrt für alle statt Konsumismus als Religionsersatz
- Gemeinschaftsverantwortung statt Patchwork-Individualismus und privatisierte
Religiosität
1.
Ausarbeitung einer Sektorpolicy „Religion/Ethik“
zum Beitrag der Religionen zur Entwicklung und deren ethischer Basis, mit Folgerungen
für die zukünftige DEZA-Beitragspolitik. Die Policy würde ein Argumentarium
beinhalten, weshalb staatliche, ganzheitliche EZA auch religiöse Programme
unterstützen kann/soll und unter welchen Bedingungen.
2.
Einsatz der DEZA für einen entsprechenden internationalen
Diskussionsprozess beim UNDP, beim DAC der OECD, bei der Weltbank (in
Ansätzen vorhanden) und regionalen Entwicklungsbanken.
3.
Kofinanzierung (durch die
DEZA) von ein paar sorgfältig ausgewählten Testprogammen mit explizit
ethischem, theologischem oder pastoralem Charakter. Die Evaluation müsste
aufzeigen können, wie diese zur Entwicklung beitragen.
·
Grundsätze für Entwicklungsprojekte. Analyse der
Rahmenbedin-gungen der Evang. Hilfswerke und Missionen der Schweiz, Impulse Nr.
4/99, 26 S. Bezug bei Brot für alle, Bern.
·
Mehr Welt – mehr Kirche – mehr Weltkirche. Referate
und Ergebnisse der Tagung vom 26.2.2001 in Bern, Impulse Nr. 1/01, 40 S. Bezug
bei Brot für alle Bern.
·
Entwicklungskonzepte: Standortbestimmung. Bericht
einer Konsultation des OeRK, mit einem Kommentar von Brot für alle, Impulse Nr.
3/96, 20 S. Bezug bei Brot für alle Bern.
·
Stückelberger, Christoph: Das Konzept der
nachhaltigen Entwicklung um zwei Dimensionen erweitern (die kulturelle und religiöse).
Ein Beitrag der Entwicklungsethik, in: Peter, H.-B. (Hg.): Globalisierung,
Ethik und Entwicklung, Bern 1999, 103-122.
·
Jeganathan, W.S. Milton
(Ed.): Mission Paradigm in the New Millenium, Church of South India, Delhi
2000.
·
Unité-Positionspapiere zu Mission und Entwicklung.
·
Mission und Entwicklungszusammenarbeit. Referat von
DEZA-Direktor Walter Fust in Balzers/Lichtenstein, 18.12.2001, Manuskript.